Mit dem jährlichen Festival für zeitgenössisches Theater wird eine konkrete Vision umgesetzt: Theater gehört Allen und, es gehört überall hin. Theater, das ist ein Raum, in welchem Zeitgeschichte aufbereitet wird, der Menschen unterschiedlicher Herkunft an einen Ort der Unterhaltung und Reflexion bringt und der zum Diskurs einlädt.
Gerade heute sind solche Räume notwendiger als je zuvor und sie dürfen kein Privileg urbaner Zentren darstellen.

Unter dem Namen Kultur.Sommerfrische. tritt das Festival nach Außen in Erscheinung und bringt avantgardistisches Theater in Gebiete abseits der Urbanität. Damit wird eine Symbiose geschaffen, die navigiert zwischen anspruchsvoller Bühnenkunst und einer wiederentdeckten Form der sommerlichen Erholung.

Bereits in Folge gastiert das Festival im südlichen Niederösterreich in Puchberg am Schneeberg. Ein sympathischer, beliebter Kurort mit etwas Mondänität und sehr viel Eisenbahnhistorie. Die lokalen Schauplätze Burgruine und Alter Eiskeller bilden die Räume für das jährliche Programm.

Die Kultur.Sommerfrische. 2021 findet vom 4. bis 27. Juni in Puchberg am Schneeberg jeweils freitags und samstags statt. Weitere Informationen zum diesjährigen Programm hier.


Rückblick auf die Kultur.Sommerfrische.
vom 3. bis 26. Juli 2020

Sappho. Women in Love. War. And Poetry.
Eine theatrale Installation

Texte von Sappho, Johanna von Orleans, Christine de Pizan, Hildegard von Bingen, Aphra Behn und Franz Grillparzer

Mit: Anat Stainberg, Tina Haller, Katharina Schmirl
Regie: Lukas Johne

Sappho ist eine vielfach missverstandene Figur. Bei Grillparzer nimmt sie sich aus Liebe zu einem jüngeren Mann das Leben. Sie gilt als „Erfinderin“ weiblicher Homosexualität. Tatsächlich war sie ein Rockstar des antiken Griechenlands, eine Projektionsfläche für einen jungen Soldaten und eine große Dichterin.

Wir nutzten Grillparzers Sprache als Rahmenhandlung für eine Installation mit Texten von ausschließlich weiblichen Autorinnen aus der Antike, dem Mittelalter und der Klassik. Drei Schauspielerinnen verweben Performance-Elemente mit ausgesuchten Texten und bespielen damit die historischen Mauern der Burgruine.

(M)ANONYM – Es bleibt unter uns
Installation und Publikumsdiskussion im Kurpavillon

Mit Texten von Irmi Fuchs, Florian Gantner, Magda Woitzuck, Susanne Jahrl, Lukas Johne und Robert Prosser

Mit: Maciej Salamon, Lukas Johne
Regie: Alexander Absenger

Süchte. Abhängigkeiten. Die Coronakrise. Sechs junge Autor*innen schrieben über oft totgeschwiegene Tabuthemen unserer Gesellschaft. Statt eines geplanten Monologstücks zeigten wir im frisch renovierten Santolhaus eine begehbare Installation mit Videos, Audioaufzeichnungen, Bildern, Skulpturen und Autor*innen-Statements.


Rückblick auf die Kultur.Sommerfrische.
vom 7. bis 30. Juni 2019

„Shakespeare. Perfect Enough. Subtexte.“

Eine zweisprachige Performance-Revue mit Texten von William Shakespeare und Lukas Johne 

Ist Hamlet tatsächlich ein Melancholiker oder bloß gelähmt von seiner Umwelt? Ist Othello das Opfer eine Intrige, oder schon lange vor Desdemona von ganz Venedig zur Paranoia erzogen
worden? Shylocks Scham macht ihn blind, der Verlust von Temoras Sohn stoppt ihren
Puls und macht sie zur Heldin einer spät-antiken „Rape and Revenge“
Splattergeschichte. Niemand sieht Prosperos fragile und enttäuschte Sehnsucht und
King Lears Töchter müssen mit ihrem Vater schlafen… . Viele von Shakespeares
Figuren eignen sich perfekt als Projektionsfläche. Aber was wenn hinter dem was wir
kennen eine noch viel unangenehmere Wahrheit steckt? Wie viel ist im Laufe der
Jahrhunderte verloren gegangen, wie viel unentdeckt geblieben? 3 SchauspielerInnen
spielen Monologe und Szenen in Englischer Sprache und diesen Werkausschnitten
werden moderne (Sub-)Texte auf Deutsch gegenüber gestellt. Die sechs Fragmente
werden sowohl innerhalb der jeweiligen Stücke als auch mit einander durch
Performance-Elemente verbunden.

Die Schuhe der Braut.
Eine allegorische Dramödie über Flucht und Migration.
von Magda Woitzuck


Regie: Alexander Absenger
Bühnenbild: Suze LaRousse Regieassistenz, Kostüm: Lisa Resch Musik: Bensound
Es spielen: Caroline Frank, Peter Marton und Lukas Johne


Syrien, Griechenland, Italien, Grenze zu Österreich: Das sind die Stationen von Saids Flucht. Er war Kämpfer des Islamischen Staats, bis er in einem Loch in der Wüste mit einer Leiche ins Gespräch kam, einer vom IS geköpften Braut. Ihr gelobt er Besserung – fortzugehen, und die Wahrheit zu verbreiten.

Die österreichische Schriftstellerin Magda Woitzuck, geboren 1983, verleihte in diesem Stück den Unerhörten eine Stimme: dem geläuterten Krieger, der Leiche, dem Loch, in dem die Leiche liegt. Das Loch zeigt (und verbirgt) sich als göttliche Instanz, als Allegorie des Todes – als Unergründlichkeit, die in vielen Texten Woitzucks die Fäden zieht. In „Die Schuhe der Braut“ lässt sie Said, den Flüchtling ertrinken und wiederauferstehen. Er begegnet auf seiner sinnbildlichen Reise durch das gegenwärtige Europa einem zynischen Polizisten, einem depressiven Arzt und einer Journalistin, die ihn zuerst ins Herz schließt, um ihn letztendlich dort – respektive auf dem eisigen Gipfel seiner Fluchtroute – auszusetzen.